Ministerium setzt falsche Zeichen

Scharfe Kritik an den von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer geplanten Stundenkürzungen im Bereich des Physikunterrichts in den AHS übt der Rektor der Montanuniversität Dr. Wolfgang Pöhl.

„Über die gestern in den Nachrichten verlautbarte Meldung, dass Physik in Zukunft zu jenen Gegenständen gehört, die an den Gymnasien reduziert werden, war ich mehr als entsetzt,“ meint Pöhl in einem Brief an die Bildungsministerin, „dies um so mehr, da bei unserem Gespräch am 21. März 2003 klar zum Ausdruck gebracht wurde, dass positive Zeichen für die Naturwissenschaften zu setzen sind.“

Plädoyer für die Ingenieurwissenschaften 

Bereits im Rahmen der letzten akademischen Feier hatte Pöhl anhand klarer Fakten an die Entscheidungsträger der österreichischen Bundesregierung appelliert, sich den Herausforderungen im naturwissenschaftlich/technischen Bereich zu stellen. "Österreich hat in der Ingenieurdichte einen enormen Aufholbedarf und liegt im Reigen der Industriestaaten im untersten Drittel", meinte Pöhl, „die Regierung wäre daher unglaubwürdig, würde sie die natur-/ingenieurwissenschaftlichen Universitäten nicht entsprechend fördern.“ Es bedürfe aber auch enormer Anstrengungen im Mittelschulbereich, um "verstärkt junge Menschen für derartige Berufe zu begeistern", so Pöhl weiter. 

Vorgehensweise kontraproduktiv 

„Ein Streichen von Physikstunden kann kein positives Zeichen sein und ist auch kontraproduktiv für das Vorhaben der Regierung, die Forschungsleistung voranzubringen und eine Technologieoffensive zu unterstützen,“ formuliert Pöhl in seinem Schreiben an Ministerin Gehrer. Man sollte besser Überlegungen anstellen, wie man die zukünftigen Leistungsträger unseres Staates für Naturwissenschaften begeistern könne. „Es ist doch nicht einzusehen, dass von der Volksschule bis zur Matura 40% eines Potenzials für naturwissenschaftlich-ingenieurwissenschaftliche Studierende verloren gehen“, so Pöhl. 

Standort Österreich in Gefahr 

Um den Wohlstand und den Technologiestandort Österreich nicht zu gefährden, sei es unerlässlich, genügend „Ingenieurnachwuchs“ zu liefern, denn "Unternehmen werden sich dort ansiedeln, wo sie die besten und kompetentesten Mitarbeiter bekommen können". Sonst laufe Österreich Gefahr, dass High-Tech-Firmen das Land verlassen oder nicht als Standort in Erwägung ziehen. "Da nützt es nichts, dass Österreich ausgezeichnete Wissenschafter und Techniker hat, wenn sie nur einzelne Mosaiksteine eines gesamt geforderten technischen Ausbildungsspektrums sind, und daher sollte man den Entschluss, wichtiges technisches Grundlagenwissen in den AHS nur mehr reduziert anzubieten, nochmals überdenken“, so Pöhl abschließend. 

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Erhard Skupa 
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