"Wozu noch mineralische Rohstoffe"

Dass der Rohstoffsektor mehr für sein Image tun muss, war das Resümee der Podiumsdiskussion "Wozu noch mineralische Rohstoffe?" an der Montanuniversität Leoben.

Dass Rohstoffe die Basis für unseren heutigen Lebensstandard bieten, zeigte sehr anschaulich eine Präsentation zweier Maturanten der HTL Weiz zum Auftakt der Podiumsdiskussion "Wozu noch mineralische Rohstoffe". Im Rahmen des vom Bergmännischen Verbandes Österreichs (BVÖ) veranstalteten Bergbautages an der Montanuniversität diskutierten Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Behörden über die Bedeutung des Rohstoffabbaues.

Die Präsentation des Siegerprojektes, das aus einem vom BVÖ ausgeschriebenen Schülerwettbewerbes hervorgegangen war, stand am Beginn der Veranstaltung. Die beiden Maturanten Stefan Kaindlbauer und Hubert Schlager von der HTL Weiz zeigten am Beispiel der PKW-Produktion, dass 5000 Kilogramm unterschiedlichster Rohstoffe notwendig sind, um "1400 Kilogramm Auto" herzustellen.

Dass dem Rohstoffabbau als Wirtschaftszweig so wenig Bedeutung beigemessen wird, liege nach Ansicht der Diskutanten am Image. "Wir haben uns", so Dr. Manfred Hoscher, Vizepräsident von Luzenac Europa, provokant, "unser Image über Jahrzehnte hart erarbeitet und müssen daher verstärkt in die Öffentlichkeitsarbeit investieren, um zu verdeutlichen, dass der Bergbau mehr ist als nur Technik". Dr. Wolfgang Pöhl, Rektor der Montanuniversität, findet es sehr bedauerlich, "welche Abneigung gegen Berufe in diesem Wirtschaftssektor vorherrscht". Die Bemühungen der Montanuni wie die PraxisScheck-Aktion und die Informationskampagne mit dem "Show-Truck" sollen den Jugendlichen verdeutlichen, dass faszinierende Aufgaben und ausgezeichnete Karrierechancen auf sie warten. 

"Die Naturwissenschaften spielen leider im Lehrplan der Schulen eine immer geringere Rolle", ging Dr. Leopold Weber von der Montanbehörde auf die aktuelle Bildungsdiskussion ein. Es werde übersehen, dass "es uns deswegen gut geht, weil wir mir Rohstoffen offensichtlich gut versorgt sind". Wenn es jedoch um die konkrete Rohstoffgewinnung gehe, agieren viele nach dem Florianiprinzip: "Abbau ja, aber nicht in meiner Umgebung". 

In das selbe Horn stieß Professor Horst Wagner, Vorstand des Instituts für Bergbaukunde. Wagner merkte an, dass nach einer Umfrage noch 70 Prozent der 10-Jährigen an Naturwissenschaften interessiert seien, aber nur mehr 30 Prozent der 18-Jährigen. Offenbar vermittle das "System Schule" zu wenig Begeisterung für die Arbeit von Ingenieuren, "die Visionen verwirklichen und die Zukunft planen". 

Als Interessenvertretung bemühe sich der Fachverband Steine-Keramik, so dessen Referent Mag. Robert Wasserbacher, um konkrete Maßnahmen vor Ort und Projekte mit Schulen, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu heben. Dikussionsleiter Dr. Alois Kogler unterstrich abschließend die Notwendigkeit verstärkter imagebildender Anstrengungen, um Widersprüche klar zu machen: "Jeder möchte mit einem Handy telefonieren, aber niemand möchte Handy-Masten."